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“Wir sind uns ähnlicher, als wir denken”

"Jeder von uns hat ein Geheimnis, das dir das Herz brechen könnte." Die Idee von PostSecret ist einfach: Jeder, der ein Geheimnis mit sich herumträgt, kann es zu PostSecret schicken. Die Geheimnisse werden jeden Sonntag auf einer Website anonym veröffentlicht, wo sie die ganze Welt lesen kann. Das Projekt kommt ursprünglich aus den USA, seit ein paar Jahren gibt es auch eine deutschsprachige Seite. Wir von WEISS haben mit ihrem Betreiber Sebastian Schultheiss gesprochen.

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Sebastian Schultheiss von PostSecret auf Deutsch.

Sebastian, was ist das Faszinierende an PostSecret?

Wenn jemand ein Geheimnis wegschickt, fasst er etwas in Worte, das noch nie ausgesprochen wurde. Im Schutz der Anonymität kann er etwas von der Last, die dieses Geheimnis bedeutet, abgeben. Auf der anderen Seite steht der Leser: Er betrachtet die Postkarten auf der Website, liest sie und entdeckt Geheimnisse, mit denen er sich identifiziert. Dabei merken wir, dass wir nicht alleine sind mit unseren geheimen Wünschen und Ängsten, dass Unterschiede häufig nur im Kopf existieren.

Wie hat sich das Projekt PostSecret entwickelt?

2004 startete der US-Amerikaner Frank Warren ein Kunstprojekt: Er verteilte weiße Karten mit einer kurzen Anleitung, sie mit einem Geheimnis an ihn zurückzuschicken, in und um Washington. Mit den zurückgeschickten Karten wollte er eine Ausstellung bebildern. Die Ausstellung fand statt, aber auch nach ihrem Ende schickten die Menschen immer weiter ihre Geheimnisse ein – bis heute! So entschied sich Frank, die ihm zugesandten Geheimnisse jede Woche sonntags auf einer Website zu veröffentlichen.

 Wie bist du auf die Idee gekommen, eine deutschsprachige PostSecret-Seite zu gestalten?

Ich bin 2006 während eines Auslandsaufenthalts auf PostSecret gestoßen und fand es sehr spannend – insbesondere aus grafischer Hinsicht, weil mich Zeichnung und Typografie seht interessieren und die Karten sehr künstlerisch gestaltet sind. Ich habe mir die Frage gestellt: Würde so etwas in Deutschland auch funktionieren? Amerikaner sind in der Regel offener und naher in ihrer Kommunikation und in ihrem Umgang. Würden die im Vergleich reservierten Deutschen auch ihre Geheimnisse preisgeben? Würde überhaupt jemand mitmachen? Wären es andere Arten von Geheimnissen?

Wie hast du dich mit Gründer Frank Warren abgestimmt?

Es war nicht ganz einfach, mit ihm in Kontakt zu treten, aber nach ein paar Anläufen konnten wir telefonieren. Er fand die Idee gut, eine deutschsprachige Seite aufzubauen, sofern ich längerfristig dabeibliebe und mich an ein paar Regeln hielte: Keine Kommentarfunktion der Geheimnisse, keine Werbung. Auch in der Optik gleichen sich die englischsprachige und deutschsprachige Seite sehr. Zwischendurch gab es auch weitere PostSecretseiten auf anderen Sprachen, die haben sich aber meines Wissens wieder im Sande verlaufen.

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Bekommst du jede Woche Post?

Anfangs habe ich vorgedruckte Karten in Kneipen und Schreibwaren-/ Künstlerbedarfsgeschäften ausgelegt und auch an Freunde in anderen Städten gegeben mit der Bitte, sie dort zu verteilen. Direkt zu Beginn kamen einige zurück und bis jetzt ist jede Woche etwas angekommen – meist etwa drei bis fünf Karten.

Wie hast du dich gefühlt, als du die ersten Karten in der Hand gehalten hast?

Das war schon sehr beeindruckend! Es ist etwas anderes, ob man sich Bilder im Internet ansieht oder ob man das Original in den Händen hält. Es ist ein sehr spannendes Erlebnis, ein Geheimnis unmittelbar anfassen zu können.

Muss man besonders kreativ sein, um ein Geheimnis einzuschicken?

Nein, überhaupt nicht. Und das ist auch das Schöne daran. Die meisten Menschen, die ein Geheimnis einschicken, würden sich vermutlich selbst nie als Künstler bezeichnen. Und trotzdem gestalten sie in ihrer Freizeit kreativ ein Geheimnis, in einem Moment, in dem sie aber nicht kreativ sein müssen. Ob Blei- oder Buntstiftzeichnung, ausgeschnittene Bilder aus Zeitschriften oder Grafiken – jeder darf sein Geheimnis so gestalten, wie er mag. Durch den partizipativen Charakter ist das Projekt fast so etwas wie Volkskunst.

Ich möchte ein Geheimnis einschicken. Gibt es Regeln, an die ich mich halten soll?

Es sollte ein Geheimnis sein, dass noch nie geteilt wurde und das wahr ist. Es sollte auf eine Postkarte passen und idealerweise auf Deutsch verfasst sein. Innerhalb dieses Rahmens ist alles erlaubt. Dann kann es an folgende Adresse geschickt werden:

PostSecret
Postfach 2553
72015 Tübingen

Jeden Sonntag veröffentliche ich neue Geheimnisse unter www.postsecretdeutsch.blogspot.com.

Lieber Sebastian, vielen Dank für das Interview!

Sie finden das Projekt so spannend wie wir von WEISS? Und haben vielleicht selbst ein Geheimnis auf der Seele, das Sie loswerden möchten? Dann schreiben Sie Sebastian – und vielen anderen Menschen auf der Welt. In unserem Geschäft in Braunschweig finden Sie alle Materialien zu Gestaltung Ihrer persönlichen Geheimniskarte. Mit unseren Postkarten und Bunt- und Filzstiften von Staedtler können Sie kreativ sein, ohne jemandem etwas beweisen zu müssen. Zeichnen und malen Sie drauflos, lassen Sie die Stiftspitzen tanzen! Werden Sie Ihr Geheimnis los und nehmen Sie an denen anderen Anteil – es ist befreiend und tut gut.

 

Fotos: Sebastian Schultheiss/Postsecretdeutsch.blogspot.com